Auf Einladung der Kassenärztlichen Vereinigung Hamburg (KVHH) und der Deutschen Bank hat unser Partner Johannes Kalläne am 18.02.2026 vor mehr als 50 Teilnehmerinnen und Teilnehmern zum Thema „Der Weg zum eigenen ambulanten OP-Zentrum – so funktioniert’s – Medizinrechtliche und organisatorische Anforderungen“ referiert.
„Wir freuen uns sehr über die Initiative des Vorstandsvorsitzenden der KVHH, John Afful, und über die Gelegenheit, unsere Kenntnisse und Erfahrungen bei der Planung, Strukturierung und Umsetzung ambulanter Operationszentren einzubringen, die wir als Rechtsanwälte in den unterschiedlichsten Konstellationen gewonnen haben – sei es für Praxen, MVZ, in Kooperationen verschiedener Ärzte und MVZ oder für Krankenhausträger und Plattformbetreiber. Wir kennen die Perspektiven, Themen und Herausforderungen aus allen Blickwinkeln. Das ist für die Beratung enorm wertvoll“, so Johannes Kalläne.
Neben Expertinnen und Experten für Steuern und Finanzierung wurde die Veranstaltung insbesondere durch den Praxisbericht „Vom Nutzer zum Inhaber und Geschäftsführer“ von PD Dr. Henning Frenzel und Dr. Ralf Katzbach vom HNO Zentrum Lübeck bereichert. Nach der Insolvenz des Marienkrankenhauses in Lübeck gründeten sie in kürzester Zeit und mit großem unternehmerischem Engagement in dessen Räumlichkeiten mit der Facharztklinik Lübeck ihr eigenes ambulantes Operationszentrum.
Strategische Neuausrichtung im OP-Bereich: Zukunftsthema Ambulantisierung
In der anschließenden Diskussion wurde deutlich, welche Themen die niedergelassenen Teilnehmerinnen und Teilnehmer aus unterschiedlichsten Fachrichtungen bewegen – darunter Chirurgie, Orthopädie, Augenheilkunde, Dermatologie, Anästhesiologie, MKG-Chirurgie, HNO, Gynäkologie und Urologie. Die Wahrnehmung deckte sich dabei weitgehend mit unseren Erfahrungen aus der Beratungspraxis: Die ambulante Transformation im OP-Bereich ist längst Realität.
Ambulante Operationen sind kein neues Versorgungsformat – für zahlreiche Eingriffe stellen sie bereits heute die Standardversorgung dar. Durch neue Vergütungssysteme, insbesondere die Einführung der Hybrid-DRG, entstehen darüber hinaus erhebliche ökonomische Potenziale. Sowohl Niedergelassene als auch Krankenhausträger stehen daher vor grundlegenden strategischen Weichenstellungen.
Bewährte Kooperationsmodelle werden aber auch zunehmend hinterfragt. Viele Niedergelassene und MVZ erleben, dass Krankenhäuser nicht mehr in allen Fällen die verlässlichen strategischen Partner sind, die sie über Jahre hinweg waren – nicht aus mangelndem Willen, sondern aufgrund tiefgreifender Umstrukturierungen, eigener Ambulantisierungsstrategien, Krankenhausreformen, veränderter Krankenhausplanung sowie wirtschaftlicher Konsolidierungsprozesse bis hin zu Insolvenzen. OP-Kapazitäten entfallen, werden reduziert oder im Rahmen eigener ambulanter Strategien vorrangig selbst genutzt.
Gleichzeitig stehen auch Krankenhäuser vor der Herausforderung, ambulante OP-Kapazitäten strategisch aufzubauen oder neu zu organisieren, um bestehende ambulante Potenziale wirtschaftlich erschließen zu können.
Eigene ambulante OP-Strukturen als strategische Chance
Für niedergelassene Ärztinnen und Ärzte sowie für MVZ können eigene ambulante OP-Strukturen erhebliche unternehmerische Chancen eröffnen:
- Unabhängigkeit von Krankenhausstrukturen und größere unternehmerische Gestaltungsfreiheit
- Stärkere Positionierung im regionalen Gesundheitsmarkt als leistungsfähiger Versorger
- Hohe Strukturflexibilität durch dynamische Nutzung von OP-Kapazitäten
- Kooperationspotenziale für neue Partnerschaften mit Praxen, MVZ und anderen Trägern
- Zukunftssicherung durch strategische Vorbereitung auf veränderte Versorgungslogiken
- Attraktive Wirtschaftlichkeit bei effizienter Auslastung und klarer Spezialisierung
- Wertsteigerung bzw. -sicherung der eigenen Praxis oder des eigenen MVZ
Ambulantes OP-Zentrum (AOZ): Plattform statt Versorgungsform
Ein ambulantes OP-Zentrum ist keine eigenständige Versorgungsform, sondern eine Plattformstruktur.
Ein AOZ kann unterschiedlich ausgestaltet sein:
- als Eigenbetrieb einer Praxis, eines MVZ oder eines Krankenhauses
- als kooperative Struktur mehrerer Partner
- als „Mischbetrieb“ mit weiteren externen Nutzern
- als eigenständiges Betreiber- bzw. Plattformmodell
Entscheidend ist eine strategisch durchdachte sowie juristisch und steuerlich saubere Strukturierung. Angesichts der regelmäßig erheblichen Investitionen sollte das gewählte Modell einerseits eine stabile, belastbare Architektur bieten, andererseits aber ausreichend flexibel sein, um auf Veränderungen, neue Anforderungen und Chancen reagieren zu können.
Erfolgsfaktor: Die richtige Struktur
Neben einer fundierten Analyse der baulichen und organisatorischen Umsetzungsmöglichkeiten, der Investitions- und Betriebskosten sowie der Vergütungsstrukturen ist die rechtliche und steuerliche Strukturierung von zentraler Bedeutung. Insbesondere sind folgende Fragen zu klären:
- Wie wird der Betreiber strukturiert?
- Wer trägt welches wirtschaftliche Risiko?
- Wer verfügt über die maßgebliche Gestaltungshoheit?
- Wie erfolgt die Gewinnverteilung?
- Wie wird ein rechtssicherer Betreibervertrag zwischen mehreren Partnern konzipiert?
- Wie werden Nutzungsverträge zwischen Operateur und OP-Zentrum ausgestaltet?
Zu berücksichtigen sind unter anderem gesellschaftsrechtliche, zulassungsrechtliche, vergütungsrechtliche und berufsrechtliche Vorgaben ebenso wie haftungsrechtliche, compliance-rechtliche, arbeits- und sozialversicherungsrechtliche sowie steuerrechtliche Aspekte. Hinzu kommen gewerberechtliche Anforderungen, bau- und brandschutzrechtliche Vorgaben, Hygieneanforderungen sowie Regelungen des Medizinprodukterechts.
Unsere Stärke liegt in der Verbindung aus praktischer Umsetzungserfahrung, einem ausgeprägten Verständnis für die Geschäftsmodelle unserer Mandanten und fundierter rechtlicher Expertise.
Unser Fazit
Die ambulante OP-Struktur ist kein kurzfristiger Trend, sondern ein strategisches Zukunftsthema – für Praxen ebenso wie für Krankenhäuser.
Die große Resonanz der Teilnehmerinnen und Teilnehmer hat eindrucksvoll gezeigt, wie hoch die aktuelle Relevanz dieses Themas ist.
Wir freuen uns über das intensive Interesse und stehen unseren Mandanten sowie allen Interessierten jederzeit für einen vertiefenden Austausch zur Verfügung.